Inhalt

  • 1. Einleitung

    Das zentrale Ziel der Befragung ist die Struktur und Selektivität von Rück- und Weiterwanderung sowie deren Auswirkungen auf die Arbeitsmarktintegration und das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland zu analysieren. Hierfür wird eine längsschnittliche Online-Befragung von Eingewanderten durchgeführt. Das Design basiert auf einer Multi-Kohorten-Panelbefragung, bei der mehrere Kohorten von Eingewanderten über einen längeren Zeitraum hinweg (bis zu fünf Jahren) wiederbefragt werden. In der ersten Erhebungswelle werden Informationen zur Migrationsbiographie, Niederlassungs- und Auswanderungsüberlegungen, konkrete Migrationspläne und -vorbereitungen, angestrebte Zielländer, Gründe für die Abwanderung bzw. die Wahl des Zielortes sowie Rückkehrabsichten nach Deutschland erhoben. Die zweite Welle fokussiert sich auf tatsächliche Wanderungsbewegungen sowie zukünftige Wanderungsabsichten. Insgesamt sind bis zu vier Wiederbefragungen geplant. 

    Abbildung 1: Multi-Kohorten-Paneldesign der IMPa-Befragung

    Eine Besonderheit der Studie ist die Verknüpfung der Befragungsdaten mit administrativen IEB-Daten2. Die Bereitschaft zur Verknüpfung wird ebenfalls im Rahmen der Befragung abgefragt. Diese Verknüpfung ermöglicht eine dynamische und lebenslaufbezogene Perspektive (über die Zeit) von Rück- und Weiterwanderungsabsichten.

    2 Die Integrierten Arbeitsmarktbiografien (IEB) ermöglichen eine tagesgenaue Nachzeichnung individueller Erwerbsverläufe. Sie umfassen alle Personen, die im Beobachtungszeitraum mindestens einmal einen der folgenden Erwerbsstatus aufweisen: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (erfasst ab 1975), geringfügige Beschäftigung (erfasst ab 1999), Bezug von Leistungen nach dem Rechtskreis SGB III (erfasst ab 1975) oder SGB II (erfasst ab 2005), bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) als arbeitsuchend gemeldet (erfasst ab 2000) oder (geplante) Teilnahme an arbeitsmarktpolitischer Maßnahme (erfasst ab 2000). Diese Informationen stammen aus verschiedenen administrativen Datenquellen und werden in den IEB zusammengeführt (vgl. Graf et al., 2025).

  • 2. Datennutzung

    Datenzugang

    Die IMPa-Daten in der schwach anonymisierten Version können ausschließlich durch Datenfernverarbeitung oder im Rahmen von Gastaufenthalten ausgewertet werden. Für die Datennutzung ist ein Antrag beim FDZ zu stellen. Das FDZ entscheidet anschließend im Auftrag und ggf. unter Abstimmung mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) über die Genehmigung des Forschungsprojekts. Nach Genehmigung des Forschungsprojekts wird ein Nutzungsvertrag mit der wissenschaftlichen Einrichtung der Forschenden geschlossen. Weitere Informationen zur Beantragung des Datensatzes und zu den Datenverarbeitungsmöglichkeiten können der FDZ-Website entnommen werden (https://fdz.iab.de/).

     

    Sensible Merkmale

    Sensible Merkmale, die eine Deanonymisierung von Personen erleichtern können, sind nur in einer vergröberten Version in den Daten enthalten. Sie werden nur dann im Original weitergegeben, wenn die Information im vergröberten Zustand zur Erreichung des Forschungsziels nicht ausreichend ist. Dies muss im Antrag auf den Datenzugang explizit begründet werden. Wird ein Datensatz mit sensiblen Merkmalen bereitgestellt, werden die entsprechenden nicht-sensiblen Merkmale gelöscht, da diese von den Nutzenden wieder selbst generiert werden können. Die aus datenschutzrechtlicher Sicht besonders sensiblen Merkmale sind:

    • FP0800a: Anzahl Töchter
    • FP0800b: Anzahl Söhne
    • FP0900: Anzahl Kinder, die in Deutschland leben

     

    Verwendungsinformationen

    Die IMPa Daten enthalten deutsche als auch englische Labels. Mit den Stata-Befehlen label language en oder label language de können die Labels auf Englisch bzw. auf Deutsch umgestellt werden.

  • 3. Grundgesamtheit und Stichprobenbasis

    Die Grundgesamtheit der Befragung bilden alle Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren, die in den Daten der Integrierten Erwerbsbiographien (IEB) jemals mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit gemeldet waren und für die am Stichtag der Stichprobenziehung (30.04.2024) mindestens eine aktuelle Meldung vorlag. Durch die Einschränkung, dass die Personen „jemals mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit gemeldet waren“ umfasst die Stichprobe auch Personen, die inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, z. B. aufgrund von Einbürgerung. Da die Meldungen der IEB auf verschiedenen Datenquellen beruhen, z. B. Beschäftigungsinformationen von Betrieben, sowie Informationen der BA bei Arbeitslosigkeit oder Maßnahmen, kommt es gelegentlich vor, dass Staatsangehörigkeiten nicht korrekt angegeben werden. Es konnte also vorkommen, dass Personen ohne Migrationshintergrund, bei denen die Staatsangehörigkeit einmal falsch angegeben wurde, in der Stichprobe enthalten sind. Diese wurden aber später bei der Befragung herausgefiltert. Aufgrund der verzögerten Aufbereitung wurde die aktuelle Version der IEB (31.12.2023) um einen Querschnitt aktueller Meldungen zum 30. April 2024 mit begrenzter Anzahl an Variablen (Geschlecht, Geburtsdatum, Meldungsursprung, Wohnort und Staatsangehörigkeit) ergänzt. Hintergrund ist, dass ein Großteil der Abwanderungen in den ersten Monaten und Jahren nach der Einreise stattfindet, so dass ein zu großer zeitlicher Abstand zwischen dem Stichtagsdatum der Stichprobe und der Kontaktierung der Befragten dazu führen könnte, dass viele Personen zum Zeitpunkt der Kontaktierung Deutschland bereits wieder verlassen haben. Da gerade diese Gruppe von besonderem Interesse ist, wurde auf den aktuelleren Querschnittsdatensatz zurückgegriffen.

    Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der Stichprobenbasis Beamte, Selbständige, Studierende und die sogenannte stille Reserve – solange für sie keine parallele Meldung in der BA vorliegt – nicht Teil der Grundgesamtheit sind. Die Abwanderungsrate wird auf maximal sechs Prozent der ausländischen Bevölkerung geschätzt. Hauptziel der Befragung ist es, möglichst viele Personen, die Deutschland zukünftig wieder verlassen haben werden, für die zweite Befragungswelle zu gewinnen. Diese Gruppe ist jedoch aufgrund ihrer höheren Mobilität (Schündeln 2014) generell schwer zu erreichen und nach der Ausreise vermutlich schwieriger zu kontaktieren. Daher wurden Personen mit höherer Abwanderungswahrscheinlichkeit überproportional in der Stichprobe berücksichtigt.

    Dafür wurde die Population in 47 Gruppen eingeteilt, die auf fünf Aufenthaltsdauergruppen (weniger als 1 Jahr, 1 bis unter 2 Jahre, 2 bis unter 5 Jahre, 5 bis unter 10 Jahre, mehr als 10 Jahre) und zehn Herkunftsländergruppen (EU-Ost, Türkei, Asylherkunftsländer3, EU/Schengen, Asien, Afrika, Englisch, Osteuropa, Lateinamerika, Ukraine4) basieren. Die genaue Aufenthaltsdauer der Befragten liegt in den IEB nicht vor und wurde über die Dauer seit der ersten IEB-Meldung approximiert. Für diese Gruppen wurden auf Basis des Ausländerzentralregisters (AZR) des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Fortzugsraten berechnet. Für die Bruttostichprobe wurde für jede Gruppe eine minimale Gruppengröße (N = 6.250) festgelegt, um ausreichende Fallzahlen für die Nettostichprobe zu erhalten5. Die übrige Bruttostichprobe wurde proportional zu den AZR-basierten Fortzugsraten verteilt. Insgesamt besteht die Bruttostichprobe aus 700.000 Personen. Die Zusammensetzung der Stichprobe wird in den Abschnitten 2.5 und 2.6 detailliert besprochen.

     

    3 Zu dieser Gruppe werden folgende Länder gezählt: Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran Islamische Republik, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien.
    Für die Ukraine wurden nur für die Aufenthaltsdauer-Kategorien „weniger als 1 Jahr“ und „1 bis unter 2 Jahre“ separate Kategorien erstellt. Für die übrigen Kategorien wurden ukrainische Staatsangehörige der Ländergruppe „Osteuropa“ hinzugefügt, da die Gruppengröße ukrainischer Einwanderungskohorten vor 2022 zu klein war.
    Für die beiden Ukraine-Gruppen wurde die Bruttostichprobe aufgrund ihrer aktuellen Bedeutung jeweils auf 31.250 festgelegt. Gleichzeitig wurden für diese Gruppen Fortzugsraten auf Basis der AZR-Daten vor dem Ukraine-Krieg verwendet.

  • 4. Methoden und Feldverlauf

    Einladungsschreiben, Modus und Incentivierung


    Die Rekrutierung der 700.000 Zielpersonen für die Befragung erfolgte durch eine postalische Einladung. Das Einladungsschreiben enthielt eine einseitige deutsche Version des Anschreibens, eine einseitige englische Version des Anschreibens, eine Seite mit zehn kurzen Absätzen, die jeweils in weiteren Sprachen zur Teilnahme einladen (Rumänisch, Polnisch, Bulgarisch, Ungarisch, Russisch, Arabisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Tschechisch) und ein Datenschutzblatt. Das Anschreiben enthält einen Link zur Befragungs-Homepage sowie ein personalisiertes Passwort (bestehend aus 6 bis 10 Großbuchstaben), welches die Teilnehmenden zu Beginn eingeben müssen. Des Weiteren wurde im Anschreiben die Incentivierung in Form eines Gutscheins im Wert von 5 Euro angekündigt. Die Homepage der Befragung enthält ergänzende Informationen zum Datenschutz sowie häufig gestellte Fragen und ist in verschiedenen Sprachen verfügbar.


    Der Versand der Anschreiben wurde am 2. Dezember 2024 initiiert und erfolgte in täglichen Etappen von jeweils 100.000 Briefen. Schätzungsweise 10 Prozent der Briefe konnten nicht zugestellt werden. Analysen anhand der Daten des Pretests ergaben, dass sich die Gruppe von Personen, deren Briefe nicht zustellbar waren, nur marginal von anderen Nicht-Teilnehmenden unterscheidet, sodass auf eine gesonderte Berücksichtigung von nicht-erreichbaren Befragten im weiteren Verlauf (zum Beispiel für die Gewichtung) verzichtet wurde.


    Die Teilnahme an der Befragung erfolgte lediglich online. Eine Zusendung eines Papierfragebogens an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wäre eine mögliche Alternative gewesen, da jedoch das Hauptziel des Projekts in der Befragung von Personen liegt, die Deutschland zwischen der ersten und zweiten Welle verlassen und in der zweiten Welle bei Fortzug nicht mehr erreichbar wären, wurde auf diesen Modus verzichtet.


    Den Teilnehmenden wurde für ihre Mitwirkung ein Gutschein im Wert von 5 Euro als Anreiz gewährt. Für eine Subgruppe der Befragten erhöhte sich dieser Betrag im Rahmen eines Experiments zur Panelbereitschaft auf 10 Euro. Nach Abschluss der Befragung wurden die Befragten auf das Gutscheinportal weitergeleitet, um den Gutschein einzulösen. Dort bestand die Möglichkeit, unter verschiedenen Anbietern (darunter Supermärkte, Baumärkte und Möbelhersteller) auszuwählen.


    Ausschöpfung

    Abbildung 2 zeigt den Feldverlauf der Befragung. 70 Prozent aller vollständigen Interviews (29.103 Beobachtungen) wurden in den ersten beiden Wochen erhoben. Bis Ende 2024 wurden 84 Prozent aller vollständigen Interviews (34.778 Beobachtungen) erhoben. Insgesamt konnten die eingeladenen Personen bis zum 15. April 2025 teilnehmen.

    Abbildung 2: Kumulative Befragungsteilnahme

    Die Auswertung der finalen Ausschöpfung ist in Tabelle 1 dargestellt. Insgesamt haben 51.770 Personen (7,4 Prozent der Bruttostichprobe) die Befragung begonnen. Jedoch haben 13,3 Prozent von ihnen den Fragebogen nicht beendet. Der Fragebogen wurde als beendet klassifiziert, sobald die Befragten die Frage nach ihrer Panelbereitschaft am Ende des Fragebogens beantwortet hatten. Ferner wurden 6,2 Prozent der Teilnehmenden ausgeschlossen, da sie in Deutschland geboren wurden („Screenout“ in Abbildung 2-3). Für Personen, die angaben, dass sie in Deutschland geboren wurden, sind die Personen entweder vor 2000 geboren, sodass eine Geburt in Deutschland nicht zur deutschen
    Staatsbürgerschaft führte, sie haben eine doppelte Staatsbürgerschaft und sind Migranten zweiter oder dritter Generation, oder es liegt in den Meldungen der IEB möglicherweise eine fehlerhafte Meldung der ausländischen Staatsbürgerschaft vor. Daher erhielten sie einen alternativen Fragebogen. Zudem wurde auch für diese Personen die Bereitschaft zur Verknüpfung der Befragungsdaten mit den IEB erfragt, sodass für Personen, die ihr Einverständnis gegeben haben (2.681 Beobachtungen; 83,1 Prozent), eine detaillierte Untersuchung der Fehlerquelle möglich ist. Diese Befragtengruppe wird im weiteren Verlauf des Berichts jedoch nicht mehr behandelt. 

    Tabelle 1: Ausschöpfung

      N Prozent
    Bruttostichprobe 700.000 100,0
    Begonnene Interviews 51.770 7,4
    darunter:
    Vollständig 41.637 80,4
    Abbrüche 6.908 13,3
    Screenouts 3.225 6,2
    Teilnahmequote (Anteil vollständiger Interviews) 41.637 5,9

     Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1, ungewichtete Werte.

    Insgesamt beträgt die Teilnahmequote 5,9 Prozent und ist vergleichbar mit ähnlichen IAB-Befragungen (unter Berücksichtigung der schwierigen Zielpopulation und des Verzichts auf ein Erinnerungsschreiben) (u. a. Coban et al. 2024, Haas et al. 2021, Osiander et al. 2020). Der Fragebogen konnte in 19 verschiedenen Sprachen beantwortet werden (Deutsch, Englisch, Russisch, Spanisch, Türkisch, Ukrainisch, Arabisch, Polnisch, Italienisch, Rumänisch, Französisch, Portugiesisch, Kroatisch, Ungarisch, Griechisch, Serbisch, Bulgarisch, Dari, Tschechisch). Die Fragebögen wurden von professionellen Dienstleistungsfirmen übersetzt und von Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern geprüft. Ein Großteil der Teilnehmenden hat den Fragebogen in Deutsch (32,7 Prozent) oder Englisch (31,6 Prozent) beantwortet. Weitere 7,7 Prozent haben den Fragebogen in Russisch beantwortet, für Spanisch lag der Anteil bei 5,3 Prozent. Für die übrigen Sprachen lag der Anteil jeweils bei unter 4 Prozent. Bezüglich des genutzten Endgeräts zeigt sich, dass 73,9 Prozent mit dem Smartphone an der Befragung teilgenommen haben. 25,7 Prozent haben einen Computer verwendet. Nur 0,3 Prozent nutzten ein Tablet.

     

    Record Linkage und Panelbereitschaft


    Der Fokus des Projekts liegt auf der Kontaktierung von Befragten, die zwischen der ersten und zweiten Befragungswelle Deutschland verlassen haben. Folglich ist die Zustimmung zu einer erneuten Kontaktierung zentral. Den Befragten wurde am Ende der Befragung die Möglichkeit gegeben, ihr Einverständnis für eine erneute Kontaktaufnahme zu erteilen. Dabei konnten die Befragten angeben, dass sie nur per E-Mail, nur per SMS, per E-Mail oder SMS oder nicht erneut kontaktiert werden möchten. Personen, die einer Kontaktaufnahme zustimmten, wurden im Anschluss gebeten, entsprechende Kontaktdaten zu hinterlegen. Befragte, die eine erneute Kontaktaufnahme zunächst ablehnten, wurden einmal gebeten ihre Entscheidung zu überdenken.


    Insgesamt haben 89,4 Prozent ihr Einverständnis gegeben (vgl. Tabelle 2). Diese hohe Zustimmungsquote ermöglicht, dass ein Großteil der Befragten erneut kontaktiert werden kann. Das wiederum erhöht die potentielle Anzahl an Interviews mit weggezogenen Personen. Bezüglich des Modus der Rekontaktierung gaben 81,1 Prozent an, dass sie ausschließlich per E-Mail kontaktiert werden möchten. 3,5 Prozent möchten nur per SMS kontaktiert werden. 15,4 Prozent möchten per E-Mail oder SMS kontaktiert werden. Dieser Anteil ist im Vergleich mit ähnlichen Befragungen relativ hoch (siehe Coban et al. 2024, für OPAL; Dollmann et al., 2023, für dezim.panel), wobei die generell höhere Teilnahmebereitschaft an diesen Befragungen berücksichtigt werden muss.

    Tabelle 2: Record Linkage und Panelbereitschaft

      N Prozent
    Panelbereitschaft 37.217 89,4
    Zustimmung zur Verknüpfung 38.291 92,0
    Panelbereitschaft, aber keine Zustimmung zur Verknüpfung 2.329 5,6

    Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1, ungewichtete Werte.

    Für Untersuchungen zu Fortzügen ist außerdem eine Verknüpfung der Befragungsdaten mit den am IAB vorliegenden administrativen Daten besonders informativ. Im Rahmen der Studie wurden die Befragten zu Beginn des Fragebogens um ihr Einverständnis zur Verknüpfung der erhobenen Daten mit den am IAB vorliegenden Prozessdaten gebeten. Befragte, die dieser Bitte nicht zustimmten, wurden am Ende des Fragebogens noch einmal um ihre Zustimmung gebeten. Insgesamt gaben 92,0 Prozent der Befragten hierfür ihre Zustimmung, 8,0 Prozent verweigerten ihre Zustimmung (vgl. Tabelle 2). 5,6 Prozent der Befragten gaben keine Zustimmung, erklärten sich aber bereit, an weiteren Befragungen teilzunehmen. In den Folgewellen werden diese Befragten – sofern sie teilnehmen – erneut um ihre Zustimmung gebeten.

  • 5. Inhalte der Befragung

    Bei der Konzeption des Fragebogens wurde der Fokus auf die Erhebung zentraler Variablen bezüglich der Fortzugsüberlegungen und -pläne gelegt. Die Module wurden in folgender Reihenfolge abgefragt:


    1. Staatsangehörigkeit, Herkunft und Ankunft in Deutschland
    2. Migrationsbiografie
    3. Wohnsituation
    4. Bleibeabsichten
    5. Lebenserfahrungen in Deutschland
    6. Familie und Partnerschaft
    7. Selbsteinschätzung
    8. Sprachkenntnisse
    9. Bildung und Qualifikation
    10. Erwerbstätigkeit
    11. Soziale Kontakte
    12. Gesundheit
    13. Lebenssituation und Präferenzen


    Die Fragen und Fragebogenmodule orientieren sich in weiten Teilen an bestehenden und getesteten Erhebungen, darunter die IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten (Brücker et al., 2017), die IAB-SOEP-Migrationsstichprobe (Brücker et al., 2014), OPAL (Coban et al., 2024), DEZIM.panel (Dollmann et al., 2023), GERPS (Ette et al., 2019), Make it in Germany (Liebig und Senner, 2024), HOPP (Haas et al. 2021) und der Labor Force Survey (Eurostat, 2022). Es erfolgte eine Anpassung an den Web-Modus sowie die Ergänzung mit projektspezifischen Fragen. Der Fragebogen wurde zunächst intern getestet und dann in einem Pretest evaluiert. Im Rahmen dessen wurde insbesondere auf die Begrenzung der Belastung der Befragten geachtet, wobei eine durchschnittliche Befragungsdauer von 20 Minuten vorgesehen war. Die Inhalte der Befragung und das generelle Vorgehen wurden von der Ethikkommission am IAB begutachtet und genehmigt (Begutachtungs-Nr.: 2024_003).

  • 6. Datenqualität

    Qualitätssicherung während der Feldzeit


    Zur Sicherung der Qualität der Daten und zum Monitoring des Feldverlaufs wurde ein Dashboard programmiert, das mehrere Qualitätsindikatoren beinhaltet und zum Beispiel eine schnelle Untersuchung von Verteilungen von Variablen ermöglicht. Dadurch hätten beispielsweise Programmierfehler identifiziert und entsprechend angepasst werden können. Bei anderen Qualitätsproblemen (zum Beispiel bei häufigen Abbrüchen an bestimmten Stellen) wäre ein Eingriff durch das Projektteam durch die tägliche Aktualisierung des Dashboards ebenso möglich gewesen.


    Paradaten


    Die Bearbeitungsdauer für den Fragebogen liegt im Median bei knapp unter 22 Minuten. Jedoch variiert sie stark zwischen den Befragten (5. Perzentil: 11,2 Minuten, 95. Perzentil: 60,3 Minuten). Bei der Betrachtung der Gesamtdauer muss für Online-Befragungen jedoch berücksichtigt werden, dass Unterbrechungen während der Beantwortung des Fragebogens zu einer Überschätzung der Gesamtdauer führen können. Zudem hängt die Fragebogenlänge stark von der individuellen Filterführung ab.

    Abbildung 3 zeigt die Mediandauer für jeden Fragebogen-Screen über das Interview hinweg. Wie zu erwarten, variiert die Dauer stark zwischen den einzelnen Screens. Zum Beispiel weisen komplexere Fragen wie die zum Record Linkage und zur Panelbereitschaft deutlich längere Dauern auf als Fragen zu demografischen Merkmalen. Screens, die mehrere Fragen beinhalten, weisen ebenfalls längere Dauern auf. Zudem unterscheiden sich die Screens zum Teil stark in der Variation der gemessenen Dauern. Diese Unterschiede können sich beispielsweise aus Differenzen in der Komplexität der Fragen oder der Zusammensetzung der Befragten ergeben.

    Abbildung 3: Mediandauer nach Fragebogen-Screen

    Item-Nonresponse

    Der Anteil von sog. Item-Nonresponse pro Frage, also das Fehlen von Antworten auf einzelnen Fragen, beträgt im Durchschnitt 0.8 Prozent. Der Median – also der mittlere Wert der Verteilung – hingegen ist mit 0,01 Prozent deutlich geringer. Diese Diskrepanz ist auf die relativ hohe Item-Nonresponse für einzelne Fragen zurückzuführen, die den Durchschnittswert stärker beeinflussen als den Median. Dabei weisen zwei Fragen im Vergleich zu den restlichen Fragen deutlich höhere Anteile auf. Hierzu gehören die Fragen zum Arbeitsverdienst: Bruttoverdienst (40,3 Prozent) und Nettoverdienst (38,3 Prozent). Fragen zum Arbeitsverdienst weisen oft hohe Item-Nonresponse-Raten auf, da viele Befragte solche Angaben als sensibel empfinden, ihre Einkünfte nicht genau kennen oder aus Datenschutzgründen keine Auskunft geben möchten. Abgesehen von diesen zwei Fragen beträgt die Item-Nonresponse-Rate bei allen weiteren Fragen weniger als 4 Prozent.

    Übersetzungsfehler

    Der Fragebogen konnte in 19 verschiedenen Sprachen beantwortet werden (Deutsch, Englisch, Russisch, Spanisch, Türkisch, Ukrainisch, Arabisch, Polnisch, Italienisch, Rumänisch, Französisch, Portugiesisch, Kroatisch, Ungarisch, Griechisch, Serbisch, Bulgarisch, Dari, Tschechisch). Die Fragebögen wurden von professionellen Dienstleistungsfirmen übersetzt und von Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern geprüft.

    Ein Großteil der Teilnehmenden hat den Fragebogen in Deutsch (32,7 Prozent) oder Englisch (31,6 Prozent) beantwortet. Weitere 7,7 Prozent haben den Fragebogen in Russisch beantwortet, für Spanisch lag der Anteil bei 5,3 Prozent. Für die übrigen Sprachen lag der Anteil jeweils bei unter 4 Prozent.

    Bei drei Fragen bzw. Sprachen kam es jedoch zu Übersetzungsfehlern. Tabelle 3 gibt einen Überblick hierzu.

    Tabelle 3: Übersicht zu Übersetzungsfehlern

    Sprache Item Problem-beschreibung N betroffen Problemlösung
    Ungarisch EW0400 In der ungarischen Sprachversion wurde „Abhängig beschäftigt“ mit „Részmunkaidős foglalkoztatott“ übersetzt, was jedoch teilzeitbeschäftigt heißt. 330 Knapp 180 der Befragten sind auf die „Sonstige“-Antwortmöglichkeit und einer offenen Antwort ausgewichen. Diese wurden handkodiert, wobei jedoch Folgefragen zu Arbeitsumfang und Lohn nicht gestellt wurden. Ca. 100 Befragte haben sich trotz des Fehlers in den beiden betroffenen Kategorien eingeordnet. Der Einfluss des Übersetzungsfehlers sollte sich demnach in Grenzen halten.
    Türkisch BR0600 Die Antwortoption „Steuerliche Vorteile in diesem Land“ wurde nicht übersetzt, stattdessen wurde die Übersetzung für „Aufenthaltsrechtliche Gründe (z.B. Einwanderungsgesetz, Asylverfahren, Familiennachzug)“ angezeigt. 50  
    Italienisch EW1200 Im Fragebogentext wurde übersetzt, dass Vergütung aus Überstunden nicht berücksichtigt werden sollte.    

     

  • 7. Gewichtung

    Aufgrund der ungleichen Ziehungswahrscheinlichkeit und der vermutlich selektiven Teilnahme der kontaktierten Befragten werden die Befragungsdaten gewichtet, um Repräsentativität zu gewährleisten. Hierfür wird in zwei Schritten vorgegangen, die in den nächsten Abschnitten genauer erläutert werden.


    Designgewichte


    Um möglichst viele Personen zu kontaktieren, die Deutschland nach der ersten Befragung wieder verlassen könnten, wurden bestimmte Gruppen mit höherer beziehungsweise niedrigerer Wahrscheinlichkeit gezogen. Um diese ungleiche Ziehungswahrscheinlichkeit zu korrigieren, wird für jeden Befragten zunächst das Designgewicht berechnet (1/Ziehungswahrscheinlichkeit). Dadurch erhalten Personen, die mit geringerer Wahrscheinlichkeit gezogen wurden, ein höheres Gewicht als Personen, die mit höherer Wahrscheinlichkeit gezogen wurden.


    Kalibrierung


    Die Designgewichte können zwar für das Stichprobendesign korrigieren, jedoch nicht für die selektive Teilnahme der Befragten. Dafür wird die Nettostichprobe auf Randverteilungen verschiedener im Ziehungsrahmen vorliegender Merkmale angepasst. Folgende Merkmale aus den administrativen Daten der IEB werden hierfür verwendet:


    • Geschlecht x Staatsangehörigkeitsgruppe
    • Höchster Bildungsabschluss
    • Alter
    • Bundesland
    • Jemals mit deutscher Staatsangehörigkeit gemeldet
    • Beschäftigt × approximierte Aufenthaltsdauer
    • Beschäftigt × Staatsangehörigkeitsgruppe


    Einschränkend muss noch erwähnt werden, dass für Personen, die nur im Querschnittsdatensatz (vgl. Kapitel 2.1) auftreten und vorher nicht in den IEB auftauchen, manche Merkmale nicht vorhanden sind. Zudem sind manche der Kalibrierungsmerkmale zeitlich variabel, aber nur zum Stichtag verfügbar. Änderungen über die Zeit können also die Randanpassungen marginal verzerren. Die Basis für die Berechnung der Kalibrierungsgewichte bilden die Designgewichte.


    Randverteilungen vor und nach der Gewichtung


    Tabelle 4 zeigt die Randverteilungen der Kalibrierungsmerkmale für die Population, die Bruttostichprobe, die ungewichtete Nettostichprobe und die gewichtete Nettostichprobe. Unterschiede zwischen der Population und der Bruttostichprobe ergeben sich aus dem Stichprobendesign (vor allem aufgrund der disproportionalen Ziehungswahrscheinlichkeiten). Unterschiede zwischen der Bruttostichprobe und der ungewichteten Nettostichprobe ergeben sich durch die selektive Teilnahme. Die letzte Spalte zeigt, dass die Anteile durch die Gewichtung wieder den Anteilen in der Population entsprechen. Hinsichtlich des Geschlechts zeigt sich, dass Männer eine geringere Teilnahmebereitschaft als der Population entsprechend aufweisen. Das Stichprobendesign zieht jüngere Personen mit überproportionaler Wahrscheinlichkeit, für die Teilnahmebereitschaft ist jedoch kein klares Muster zu erkennen. Die Altersgruppen 18-28 und 49-58 nahmen unterproportional teil, wohingegen die Altersgruppe 29-38 deutlich überproportional teilnahmen. Bezüglich des Bildungsniveaus wurden Personen mit Berufsausbildung unterproportional gezogen, was sich durch die überproportionale Ziehung von Personen mit kürzerer Aufenthaltsdauer erklären lässt. Der höhere Anteil von fehlenden Werten für das Bildungsniveau in der Bruttostichprobe ergibt sich daraus, dass für Personen, die nur im Querschnittsdatensatz auftreten, keine Bildungsinformationen vorhanden sind. Generell zeigt sich eine stark selektive Teilnahme hinsichtlich der Bildung: Personen mit höherem Bildungsniveau weisen eine deutlich höhere Teilnahmebereitschaft auf.

    Tabelle 4: Randverteilungen der Kalibrierungsmerkmale in der Population, der Bruttostichprobe,
    der Nettostichprobe und nach der Gewichtung

    Variable Kategorie Population, Prozent Bruttostichprobe, Anzahl Nettostichprobe, Prozent Nettostichprobe gewichtet, Prozent
    Geschlecht Männlich 54.5 55.0 50.8 54.5
    Weiblich 45.5 45.0 49.2 45.5
    Alter 18-28 18.3 30.0 24.6 18.3
    29-38 27.5 31.4 39.2 27.5
    39-48 25.7 21.2 22.6 25.7
    49-58 20.4 13.0 10.4 20.4
    59-65 8.0 4.4 3.2 8.0
    Bildung (Fach-)Hochschule 19.3 21.2 45.5 19.3
    Abitur 7.7 6.9 7.1 7.7
    Abitur und Berufsausbildung 8.0 5.0 5.3 8.0
    Berufsausbildung 25.4 13.5 7.7 25.4
    Kein Abschluss 25.4 22.2 12.3 25.4
    Missing 14.2 31.2 22.2 14.2
    Beschäftigt Beschäftigt 73.2 74.7 76.5 73.2
    Nicht beschäftigt 26.8 25.3 23.5 26.8
    Bundesland Baden-Württemberg 16.2 15.3 15.1 16.2
    Bundesland Bayern 17.0 18.1 19.5 17.0
    Berlin 6.6 8.2 11.1 6.6
    Brandenburg 1.3 1.6 1.7 1.3
    Bremen 1.2 1.1 1.0 1.2
    Hamburg 3.3 3.3 3.7 3.3
    Hessen 9.6 9.1 8.7 9.6
    Mecklenburg-Vorpommern 0.7 0.9 0.9 0.7
    Niedersachsen 7.8 7.8 7.0 7.8
    Nordrhein-Westfalen 23.7 20.5 17.6 23.7
    Rheinland-Pfalz 4.5 4.5 3.8 4.5
    Saarland 1.0 0.9 0.8 1.0
    Sachsen 2.1 2.9 3.8 2.1
    Sachsen-Anhalt 1.1 1.4 1.3 1.1
    Schleswig-Holstein 2.5 2.5 2.3 2.5
    Thüringen 1.2 1.5 1.3 1.2
    Missing 0.1 0.4 0.3 0.1
    Deutsch gemeldet Jemals deutsch gemeldet 45.2 22.2 19.6 45.2
    Nie deutsch gemeldet 54.8 77.8 80.4 54.8
    Aufenthaltsdauer 0 bis unter 2 17.1 43.4 43.5 17.1
    2 bis unter 5 11.7 21.5 23.3 11.7
    5 bis unter 10 24.8 20.0 19.8 24.8
    Mehr als 10 46.4 15.1 13.4 46.4
    Ländergruppe Afrika 4.9 7.2 6.6 4.9
    Asien 7.0 9.0 10.5 7.0
    Asylherkunftsländer 14.6 8.6 6.7 14.6
    EU-Ost 22.8 26.4 14.3 22.8
    EU/Schengen 12.2 11.8 14.0 12.2
    Englischsprachig 1.3 5.4 11.0 1.3
    Lateinamerika 1.8 5.6 11.6 1.8
    Osteuropa 14.1 10.2 8.6 14.1
    Türkei 14.3 6.2 6.0 14.3
    Ukraine 7.1 9.7 10.8 7.1
    Beobachtungen   10.077.286 700.000 41.627  

    Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1.

    Für den Beschäftigungsstatus, der über die Quelle der letzten Meldung ermittelt wird, bestehen nur marginale Unterschiede zwischen den berechneten Anteilen. Dies gilt auch für das Bundesland. In der Population wurde für 45,2 Prozent der Personen jemals die deutsche Staatsbürgerschaft gemeldet. In der Bruttostichprobe halbiert sich dieser Wert. Hinsichtlich der Teilnahmebereitschaft ergeben sich allerdings nur marginale Unterschiede. Wie oben bereits erwähnt, wird die Aufenthaltsdauer über die Zeit seit dem ersten Auftreten in den BA-Daten approximiert. Hierbei ist anzunehmen, dass die tatsächliche Aufenthaltsdauer etwas länger ist. Durch das Stichprobendesign (überproportionale Ziehung von Personen mit kürzeren approximierten Aufenthaltsdauern) ergeben sich ausgeprägte Unterschiede zwischen der Population und der Bruttostichprobe. Personen mit kürzerer Aufenthaltsdauer wurden stark überproportional gezogen, wohingegen Personen, die eine Aufenthaltsdauer von mehr als 10 Jahren aufweisen, deutlich unterproportional gezogen werden. Hinsichtlich der Teilnahmebereitschaft ergeben sich jedoch nur marginale Unterschiede.


    Auch für die Ländergruppen, die auf der jeweils gemeldeten Staatsangehörigkeit basieren, ergeben sich durch das Stichprobendesign deutliche Unterschiede. So wurden beispielsweise Personen aus der Türkei, Osteuropa und Asylherkunftsländern deutlich unterproportional gezogen, wohingegen zum Beispiel Personen aus Asien, Lateinamerika und englischsprachigen Ländern mit überproportionaler Wahrscheinlichkeit gezogen wurden. Auch hinsichtlich der Teilnahmebereitschaft bestehen große Unterschiede zwischen den Ländergruppen. So weisen Personen aus Osteuropa eine deutlich niedrigere Teilnahmebereitschaft auf als zum Beispiel Personen aus englischsprachigen Ländern oder Lateinamerika. Hierfür gibt es viele verschiedene Erklärungsansätze (zum Beispiel die generelle Erreichbarkeit, Sprachkenntnisse, Bildungsniveau, Adressqualität, saisonale Migration), die aber mit den vorliegenden Daten nicht abschließend untersucht werden können.

  • 8. Soziodemografische Merkmale auf Basis der Befragungsdaten

    Tabelle 5 zeigt die Verteilung der soziodemografischen Merkmale auf Basis der Befragungsdaten sowohl ungewichtet als auch gewichtet. Hierbei ist festzuhalten, dass Unterschiede zwischen den gewichteten und ungewichteten Ergebnissen durch die über- beziehungsweise unterproportionale Ziehung bestimmter Gruppen und die selektive Teilnahme bestimmter Gruppen entstehen können. Insgesamt sind die Teilnehmenden deutlich jünger als die Zielpopulation, so sind mehr als 66 Prozent der Teilnehmenden unter 40 Jahre alt, gewichtet beträgt dieser Anteil über 48 Prozent. Ähnlich große Unterschiede ergeben sich für die Aufenthaltsdauer der Befragten. So sind knapp 47 Prozent der Befragten vor drei oder weniger Jahren zuletzt nach Deutschland zugezogen, gewichtet liegt dieser Anteil bei etwas über 21 Prozent. Dieser Unterschied ergibt sich vor allem durch das Stichprobendesign und der überproportionalen Ziehung von Personen mit kürzerer Aufenthaltsdauer. Hinsichtlich des höchsten Bildungsabschlusses der Befragten zeigt sich, dass fast zwei Drittel der Befragten einen Hochschulabschluss vorweisen können. Die Gewichtung korrigiert diesen Anteil auf etwas über 35 Prozent. Bei der Interpretation dieser Daten muss berücksichtigt werden, dass internationale Bildungssysteme nur schwer vergleichbar sind und die standardisierte Abfragte dadurch erschwert wird. Etwas mehr als 13 Prozent der Befragten haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Durch die überproportionale Ziehung von Personen mit kürzerer Aufenthaltsdauer wird dieser Anteil durch die Gewichtung auf über 30 Prozent korrigiert. Bezüglich der rechtlichen Grundlage bei Zuzug ergeben sich ebenfalls Unterschiede zwischen den gewichteten und ungewichteten Anteilen. So liegt beispielsweise der gewichtete Anteil von Personen, deren Grundlage „Arbeit/Arbeitssuche“ war, deutlich niedriger als ungewichtet. Im Gegensatz dazu ist der gewichtete Anteil für Asylsuchende deutlich höher als der ungewichtete. Hinsichtlich des aktuellen Aufenthaltsstatus ergibt sich der größte Unterschied für Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft, deren Anteil sich durch die Gewichtung mehr als verdoppelt.

    Tabelle 5: Soziodemografische Merkmale, ungewichtet und gewichtet

      Kategorie Beobachtungen,
    Anzahl
    Nettostichprobe, Prozent Nettostichprobe gewichtet, Prozent
    Alter <25 4.662 11,2 9,6
    25-29 7.020 16,9 11,2
    30-34 8.608 20,7 13,2
    35-39 7.319 17,6 14,6
    40-44 5.255 12,6 13,5
    45-49 3.573 8,6 11,6
    50-54 2.419 5,8 11,3
    55-59 1.613 3,9 8,4
    60+ 1.105 2,7 6,5
    Aufenthaltsdauer 0 Jahre 1.612 3,9 2,5
    1 Jahre 6.023 14,5 7,6
    2 Jahre 7.636 18,4  6,9
    3 Jahre 4.091 9,8 4,4
    4 Jahre 2.569 6,2   2,9
    5 Jahre 2.927 7,0 3,8
    6 Jahre 2.331 5,6   4,3
    7 Jahre 1.881 4,5   4,6
    8 Jahre 1.775 4.3  4,6
    9 Jahre 1.901 4,6  5,6
    10-19 Jahre 5.299 12,7 20,9 
    20+ Jahre 3.529       8,5 32,0 
    Höchster
    Bildungsabschluss
    Berufliche Ausbildung 8.907 21,4 41,6
    Hochschulbildung 26.471 63,7 35,1
    Kein Abschluss 6.166 14,8 23,3
    Deutsche
    Staatsbürgerschaft
    Ja 5.532 13,3 30,5
    Nein 36.042 86,7 69,5
    Rechtliche
    Grundlage bei Zuzug
    Arbeit/Arbeitssuche 14.250 34,3 25,8
    Asylsuchende/Geflüchtete 7.111 17,1 22,9
    Bildung/Anerkennung 8.200 19,7 12,8
    Familienmitglieder 7.469 18,0 24,8
    Im Ausland geborene Deutsche 700 1,7 4,7
    Touristen/Andere 3.832 9,2 9,0
    Aufenthaltsstatus Anerkannter Schutzstatus 1.355 3,3 3,0
    Befristete Aufenthaltsgenehmigung 8.117 19,5 11,1
    Deutsche Staatsbürgerschaft 5.532 13,3 30,5
    Duldung/Aufenthaltsgestattung 1.410 3,4 3,3
    EU-Bürger 10.346 24,9 24,6
    Niederlassungserlaubnis 6.659 16,0 17,4
    Visum 2.246 5,4 1,9
    Ukrainische-Aufenthaltserlaubnis 3.481 8,4 4,5
    Sonstige 2.425 5,8 3,8

    Quelle: International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa), Welle 1

    Hinsichtlich des höchsten Bildungsabschlusses der Befragten zeigt sich, dass fast zwei Drittel der Befragten einen Hochschulabschluss vorweisen können. Die Gewichtung korrigiert diesen Anteil auf 35 Prozent. Bei der Interpretation dieser Daten muss berücksichtigt werden, dass internationale Bildungssysteme nur schwer vergleichbar sind und die standardisierte Abfrage dadurch erschwert wird. 13 Prozent der Befragten haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Durch die überproportionale Ziehung von Personen mit kürzerer Aufenthaltsdauer wird dieser Anteil durch die Gewichtung auf 30 Prozent korrigiert. Bezüglich der rechtlichen Grundlage bei Zuzug ergeben sich ebenfalls Unterschiede zwischen den gewichteten und ungewichteten Anteilen, so liegt beispielsweise der gewichtete Anteil von Personen, deren Grundlage „Arbeit/Arbeitssuche“ war, gewichtet deutlich niedriger. Im Gegensatz dazu ist der gewichtete Anteil für Asylsuchende deutlich höher. Ebenso erhöht die Gewichtung den Anteil von Personen, die mindestens ein Kind haben, deutlich. Hinsichtlich des aktuellen Aufenthaltsstatus ergibt sich der größte Unterschied für Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft, deren Anteil sich durch die Gewichtung mehr als verdoppelt.


    Insgesamt haben Eingewanderte aus 188 Ländern an der Befragung teilgenommen. Rund 70 Prozent der Befragten stammen aus 26 Geburtsländern. Abbildung 4 zeigt die absoluten Fallzahlen für diese Herkunftsländer. Für jedes dieser 26 Länder liegen mindestens 400 vollständige Interviews vor, was fundierte länderspezifische Analysen ermöglicht. Die meisten Beobachtungen liegen für die Ukraine vor (4.367 Personen, 10,5 Prozent), gefolgt von der Türkei (2.554 Personen, 6,1 Prozent), Indien (1.818 Personen, 4,4 Prozent), den USA (1.803 Personen, 4,3 Prozent) und Polen (1.737 Personen, 4,2 Prozent). Darüber hinaus sind über 43 weitere Herkunftsländer mit jeweils mindestens 100 Fällen vertreten. Die hohe Herkunftsdiversität unterstreicht das breite analytische Potenzial des Panels – insbesondere für vergleichende Untersuchungen zu Wanderungsabsichten, Integrationserfahrungen und Rückkehrmotiven nach Herkunftsgruppe.

    Abbildung 4: Anzahl der vollständigen Interviews nach Geburtsland 

    Länder mit jeweils mindestens 400 Beobachtungen, absolute Zahlen

     

     

  • 9. Anonymisierung

    Um den Datenschutz zu gewährleisten und eine erneute Identifizierung von Personen zu verhindern, wurden auf der variablen Ebene Anonymisierungsmaßnahmen ergriffen.

    Der Geburtsmonat wurde vollständig aus dem Datensatz entfernt, da die Kombination von Geburtsjahr und -monat das Risiko einer erneuten Identifizierung erheblich erhöhen würde. Auch die Anzahl der Töchter/Söhne (FP0800a und FP0800b (Anzahl der Söhne/Töchter)) wurde als sensible Variable eingestuft und nur auf Anfrage freigegeben. Allerdings wurde die Gesamtzahl der Kinder generiert, die Variablen sind Kinder_tot (Gesamtzahl der Kinder ohne Unterscheidung von Söhnen/Töchtern) und Kinder_ger (Anzahl der Kinder in Deutschland).